Organtransplantierte sollten Sport treiben

Bonn, 06.05.10 Menschen mit einem Spenderorgan sollten regelmäßig Sport treiben. Denn ein Plus an Muskelkraft und Beweglichkeit ist nicht nur gut für Herz, Kreislauf und Knochen. Körperliche Aktivität gibt vielen Transplantierten auch ihre Lebensfreude zurück. Damit das neue Organ vom Fitnesstraining profitiert, gilt es allerdings einiges zu beachten.

Transplantierte haben in der Regel eine schwere Krankheitsphase hinter sich. Kein Wunder, dass trotz gelungener Operation die körperliche Konstitution erst einmal stark geschwächt ist. Umso wichtiger ist es, nach der Transplantation allmählich Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit wieder aufzubauen. So können nicht nur die körperlichen Folgen der Erkrankung leichter überwunden werden. Sport kann auch dazu beitragen, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu fassen und so das Selbstbewusstsein stärken. Darüber hinaus lassen sich durch körperliche Aktivität unerwünschte Begleiterscheinungen der notwendigen Medikamente reduzieren. Corticosteroide beispielsweise, oftmals Bestandteil der Therapie nach einer Organtransplantation, zehren auf Dauer an der Knochensubstanz und bergen die Gefahr einer Osteoporose. Zudem regen sie den Appetit an; viele Transplantierte haben mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Einige Medikamente zum Schutz vor Organabstoßung führen zu Bluthochdruck und wirken sich ungünstig auf Blutfettwerte und Blutzuckerspiegel aus. Ein bewegter und aktiver Lebensstil hilft, den damit verbundenen Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Nicht übertreiben

Die Voraussetzung für sportliche Aktivität ist eine stabile Organfunktion. „An erster Stelle steht daher immer das Gespräch mit dem betreuenden Arzt“, so Erhard Hackler, Vorstand des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz. „Welcher Sport der richtige ist und wie intensiv trainiert werden darf, sollte gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden. Dabei ist es ganz wichtig, dessen Anweisungen in jeder Hinsicht zu befolgen.“  Besonders geeignet sind Gymnastik oder Ausdauersport wie Walking, Wandern, Radfahren und Schwimmen. Sprungintensive Sportarten wie beispielsweise Trampolinspringen oder Tennis sowie Disziplinen mit einer hohen Verletzungsgefahr wie Fußball, Handball oder Skilaufen sind nicht empfehlenswert. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel: So kann die Lebensqualität für einen passionierten Tennisspieler so stark von seinem Hobby abhängen, dass der Arzt unter Umständen sein Einverständnis gibt.

Oberstes Gebot ist es, das Spenderorgan zu schützen und die Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen. Transplantierte sollten es daher mit ihrem sportlichen Ehrgeiz nicht übertreiben und weder bei extremen Temperaturen trainieren, noch mit Fieber oder wenn ein Infekt im Anmarsch ist. Einige der notwendigen Medikamente belasten die Nieren; somit ist es wichtig, vor und nach dem Sport ausreichend zu trinken. Aufgrund des herabgesetzten Immunsystems haben Transplantierte ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs und Infektionen. Bei Outdoor-Sportarten ist daher ein guter Sonnenschutz notwendig. Außerdem sollten die Betroffenen nicht in Badeseen schwimmen, Warmwassertage im Schwimmbad meiden und auf gute hygienische Verhältnisse in Mannschaftskabinen Wert legen.

 Weitere Informationen und praktische Hinweise zum Alltag nach einer Organtransplantation finden Interessierte in der Broschüre „Zurück im Leben“,  herausgegeben vom Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V. Die Broschüre ist kostenlos und kann auf dem Postweg oder im Internet angefordert werden: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.bgv-transplantation.de.